Zum Inhalt

Funk

Wetterbilder Meteor-M

Ein Wettersatellit sendet seine Bilder im Vorbeiflug direkt zur Erde. Mit einem Empfänger am Rechner und einer selbst gebauten Antenne fängt man sie auf.

So sieht das aus

Empfangenes Wetterbild von Westeuropa: in der Mitte die Britischen Inseln und Frankreich, unten Spanien und die Küste Nordafrikas, links Wolkenfelder über dem Atlantik, rechts ein breites Wolkenband über Mitteleuropa
24. November 2024 · Ein Überflug von Meteor-M2-3 über Westeuropa, direkt per Funk empfangen. In der Mitte die Britischen Inseln und Frankreich, unten Spanien und die Küste Nordafrikas, links Wolkenfelder über dem Atlantik. Das Bild ist ohne Lücken angekommen.

Kurz gesagt

Zwei russische Wettersatelliten senden ihre Bilder im Vorbeiflug direkt zur Erde. Wer gerade darunter steht, kann mitlesen: Das Signal ist unverschlüsselt und für genau diesen Empfang gedacht. Nötig sind ein kleiner Empfänger am USB-Anschluss, eine einfache Antenne und kostenlose Programme. Ein guter Überflug dauert rund eine Viertelstunde und liefert ein Bild, das vom Nordkap bis nach Nordafrika reicht.

Wann es geht

Jeder Satellit kommt mehrmals am Tag vorbei, in zwei Gruppen im Abstand von rund zwölf Stunden: einmal auf dem Weg nach Norden, einmal auf dem Weg nach Süden. Je höher er steigt, desto länger ist er zu hören und desto größer wird das Bild. Die Liste zeigt die Überflüge der nächsten fünf Tage für Meteor-M2-4 und Meteor-M2-3.

Meiningen Die Überflüge unten gelten für diesen Standort. Er steht hinten in der Adresse der Seite.
Die Bahn wird berechnet …

Himmelskarte: der Blick nach oben, als läge man auf dem Rücken mit dem Kopf nach Norden. Deshalb liegt Osten links und Westen rechts, anders als auf einer Landkarte. Der Rand ist der Horizont, die Mitte der Punkt über dem Kopf; der Pfeil zeigt die Flugrichtung. Gelb: Der Satellit steht mindestens 10° hoch. Alle Zeiten in Ortszeit für Deutschland. Bahndaten: CelesTrak, abgeholt von meinem Server; gerechnet wird in deinem Browser.

Am besten ist ein Überflug fast über Kopf. Dann liegt der eigene Standort in der Bildmitte. Bei flachen Überflügen sieht man die Erde schräg von der Seite, und der Satellit ist nur kurz zu empfangen.

Die Satelliten

Meteor-M heißen die russischen Wettersatelliten, die über die Pole fliegen. Sie kreisen in rund 820 Kilometern Höhe, doppelt so hoch wie die Raumstation, und brauchen für eine Runde etwa 100 Minuten. Weil sich die Erde darunter weiterdreht, überfliegen sie nach und nach jeden Ort.

SatellitStartStand im Oktober 2026
Meteor-M2-429. Februar 2024in Betrieb, der Satellit der Wahl
Meteor-M2-327. Juni 2023in Betrieb; seine Sendeantenne hat sich nicht ganz entfaltet, das Signal schwankt stark
Meteor-M2-5frühestens 2027noch nicht gestartet
Meteor-M2-25. Juli 2019sendet seit einem Treffer durch einen Mikrometeoriten Ende 2019 keine Bilder mehr auf 137 MHz
Meteor-M28. Juli 2014Ende 2022 fiel der Bilderfunk aus, Anfang 2023 die Lageregelung; seit 1. Juni 2024 außer Dienst

Das Signal

Beide Satelliten senden im 137-MHz-Band. Verschlüsselt ist nichts.

WasAngabe
Frequenz137,900 MHz, Ausweichfrequenz 137,100 MHz
SendeartLRPT, „Low Rate Picture Transmission“: Bildübertragung mit niedriger Datenrate
Modulationdigital, als Phasenmodulation (OQPSK) mit 72 000 Zeichen je Sekunde
Inhaltdrei der sechs Bildkanäle, verdichtet ähnlich wie bei einem JPEG-Foto

Der Satellit schießt keine einzelnen Fotos. Er tastet die Erde unter sich ununterbrochen ab, immer eine Zeile quer zur Flugrichtung, von einem Horizont zum anderen, und sendet jede Zeile sofort aus. Weil er dabei weiterfliegt, liegt die nächste Zeile ein Stück weiter. Wer die Zeilen der Reihe nach empfängt und untereinandersetzt, bekommt das Bild. Es entsteht also erst durch den Vorbeiflug und wächst so lange, wie der Satellit in Funkreichweite ist: Ein Überflug von zwölf Minuten ergibt einen Streifen von rund 2800 Kilometern Breite und mehreren tausend Kilometern Länge. Ein Bildpunkt entspricht etwa einem Kilometer.

Gemessen wird in sechs Kanälen, vom sichtbaren Licht bis zur Wärmestrahlung. Drei davon werden gesendet. Welche, wechselt mit der Jahreszeit: im Sommerhalbjahr drei Kanäle für Licht und nahes Infrarot, im Winterhalbjahr zwei davon und ein Kanal für Wärme. Umgeschaltet wird im Frühjahr und im Herbst. Mit dem Wärmekanal gibt es auch nachts ein Bild: Kalte, hohe Wolken erscheinen hell, warmes Land und Meer dunkel.

Anders als der Bilderfunk der ISS ist das Signal digital. Man hört kein Pfeifen, nur ein gleichmäßiges Rauschen, und das Bild ist entweder sauber da oder fehlt an der Stelle ganz.

Wie die Welle schwingt

Der Satellit sendet zirkular polarisiert: Das elektrische Feld schwingt nicht in einer festen Richtung, sondern dreht sich beim Weiterlaufen wie ein Korkenzieher, rechts herum. So kommt das Signal an, ganz gleich, wie der Satellit gerade zur Antenne steht.

Die Animation zeigt das, stark verlangsamt. Die Pfeile stehen für das elektrische Feld an jeder Stelle der Welle; rechts der Blick in Laufrichtung auf den Pfeil, der gerade an der Antenne ankommt.

Welche Antenne dazu passt, steht bei der Ausrüstung.

So empfängt man

Jeder Empfang besteht aus drei Teilen: einer Antenne, einem Empfänger und einem Rechner, der aus dem Signal das Bild macht.

Rückblick

Neu ist die Idee nicht. Schon in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren sendeten sowjetische Meteor-Satelliten Wetterbilder um 137 MHz, damals analog. Am 8. Juli 2014 startete Meteor-M2 und brachte das digitale Verfahren auf dieses Band, zuerst auf 137,1 MHz. Der Reiz daran: Empfänger, Antenne und Aufwand bleiben wie beim alten Analogbild, die Bilder sind aber deutlich schärfer.

Lange waren die amerikanischen NOAA-Satelliten 15, 18 und 19 der Einstieg in dieses Hobby. Ihr analoges Bildsignal ließ sich schon mit sehr einfachen Mitteln aufzeichnen. Im Sommer 2025 wurden alle drei abgeschaltet, nach mehr als fünfzig Jahren dieser Technik. Das ist schade. Mit Meteor-M bleiben aber zwei Satelliten, die man mit demselben Aufwand gut empfängt.