Photovoltaik · Fragen aus der Praxis
Wie lese ich ein PV-Angebot?
Kurz: Ein gutes Angebot ist vollständig, nachvollziehbar und vergleichbar: jedes Bauteil mit Hersteller und Typ, alle Arbeiten einzeln, klare Angaben zu Ertrag, Garantien und Zahlungsplan.
Die Bauteile
- Module: Hersteller, Typ, Leistung und Anzahl, daraus die Größe in kWp.
- Wechselrichter: Hersteller, Typ, Leistung; bei mehreren Dachseiten je Seite ein eigener Eingang (MPP-Tracker).
- Speicher: Hersteller, Typ, Kapazität.
- Unterkonstruktion: Hersteller und System, passend zur Eindeckung.
- Falls dabei: Energiemanager, Wallbox, Notstrom oder Ersatzstrom.
Was oft fehlt
Zählerschrank (oft der teuerste Nebenposten), Gerüst, Kabelwege und Durchbrüche, Überspannungsschutz und Erdung, Anmeldung bei Netzbetreiber und Marktstammdatenregister, Inbetriebnahme. Steht etwas als „optional“ oder „nach Aufwand“ drin, nachfragen.
Ertrag
Ein unverschattetes Süddach bringt meist 950 bis 1.150 kWh je kWp und Jahr, Ost-West etwa 15 bis 20 Prozent weniger. Verspricht ein Angebot deutlich mehr, oder mit kleinem Speicher über 80 Prozent Unabhängigkeit vom Netz, nachfragen.
Speicher
- Effizienz vor Kapazität: Bei der Kapazität zählt die nutzbare Nettokapazität aus dem Datenblatt. Wichtiger sind Wirkungsgrad und Eigenverbrauch, vor allem mit dynamischem Tarif (siehe Speicher nachrüsten).
- Garantie: Wie viele Jahre (üblich 10)? Welche Restkapazität ist zugesichert (60 bis 80 Prozent)? Endet sie nach einer bestimmten Strommenge? Ist die Elektronik mit drin?
- Online-Pflicht: Manche Hersteller geben die lange Garantie nur, wenn der Speicher registriert und regelmäßig online ist, teils jede Woche. Sonst bleiben wenige Jahre Grundgarantie. Vorher fragen: Muss er online sein, läuft er ohne Cloud, welche Daten gehen raus? Nach dem Kauf rechtzeitig registrieren, per Kabel anbinden, Offline-Meldung einschalten.
Garantie und Gewährleistung
Module haben eine Produktgarantie (Material, 12 bis 30 Jahre) und eine Leistungsgarantie (Restleistung nach 25 bis 30 Jahren). Eine lange Leistungsgarantie nützt wenig, wenn die Produktgarantie kurz ist, und jede Garantie ist nur so gut wie der Hersteller. Sind Aus- und Einbau mit abgedeckt?
Die Gewährleistung gegenüber Händler oder Installateur gilt immer: meist 2 Jahre, bei fest mit dem Gebäude verbundenen Arbeiten unter Umständen 5. Sie deckt aber nur Mängel, die schon bei der Übergabe da waren.
Bezahlung
Nicht vorab den Großteil zahlen. Fair ist: ein kleiner Abschlag bei Lieferung (im Vertrag festhalten, dass das Material dann dir gehört), der Hauptteil nach der Montage, mindestens 10 Prozent nach der Inbetriebnahme. Ob die letzte Rate erst nach dem Zählertausch durch den Netzbetreiber fällig wird, gehört in den Vertrag. Bei 30 bis 50 Prozent Vorkasse nachverhandeln oder eine Bankbürgschaft verlangen: Geht die Firma pleite, ist die Anzahlung meist weg.
Vergleichen und nachfragen
Nur Angebote mit gleichem Umfang vergleichen; ein grober Maßstab ist der Preis je kWp mit allem. Und fragen:
- Wer montiert, eigene Leute oder Subunternehmer?
- Wer meldet die Anlage an?
- Was, wenn der Netzbetreiber einen neuen Zählerschrank verlangt?
- Wann ist die Inbetriebnahme?
- Ist ein intelligenter Zähler mit Steuerung eingeplant? Ohne ihn darf eine neue Anlage bis 25 kW nur 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen.
- Sind Optimierer eingeplant, und warum? (siehe Verschattung)
👉 Wie sich das bei deiner Anlage rechnet, zeigt der Amortisationsrechner, auch für bestehende Anlagen und Erweiterungen.
Stand: Oktober 2026. Allgemeine Grundlagen zur ersten Orientierung, ein kleiner Ausschnitt aus der Praxis. Keine Beratung im Einzelfall.