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Laufrad · Wissen

Naben

Die Nabe trägt die Lager, hält die Speichen und überträgt am Hinterrad den Antrieb. Ihre Maße bestimmen, wie das Laufrad gebaut werden kann.

Lagerung

Kontermutter Konus Nabenkörper mit Flansch Lagerschale Kugeln Staubkappe Hohlachse
Konuslager im Schnitt, schematisch: Die Kugeln (blau) laufen zwischen der Schale in der Nabe und dem Konus (gelb) auf der Achse. Der Konus wird auf dem Achsgewinde eingestellt und mit der Kontermutter gesichert.
BauartEigenschaften
KonuslagerLose Kugeln, je Seite sieben bis elf, laufen zwischen einer Schale in der Nabe und einem Konus auf der Achse. Das Lager baut klein und leicht, ist einstellbar und bei Verschleiß nachstellbar, verträgt seitliche Kräfte gut und nimmt eine minimal verbogene Achse nicht übel. Es lässt sich reinigen und neu fetten.
IndustrielagerFertige, gedichtete Rillenkugellager sind in die Nabe eingepresst. Sie sind sehr genau gefertigt, ab Werk gefettet und wartungsarm; bei Verschleiß werden sie getauscht. Seitliche Kräfte vertragen sie deutlich schlechter als Kräfte in der Radebene. Werden sie beim Einbau seitlich verspannt, laufen sie rau und halten nicht lange. Einstellen kann man sie in der Regel nicht; manche Naben haben eine einstellbare Vorspannung.

Konuslager einstellen: Bei Naben mit Schnellspanner drückt der Spanner die Achse etwas zusammen. Das Lager soll deshalb im ausgebauten Zustand ein kaum fühlbares Spiel haben, das beim Schließen des Spanners verschwindet. Ein zu stramm eingestelltes Lager läuft sich in kurzer Zeit ein.

Prüfen im Rad: Das Rad einsetzen und den Spanner schließen. An der Felge darf seitlich kein Spiel mehr zu fühlen sein, und das Rad muss frei laufen: Steht das Ventil auf drei oder neun Uhr, pendelt es von selbst nach unten. Nachgestellt wird in kleinen Schritten, höchstens eine Zehntelumdrehung am Konus. Die flachen Konusschlüssel haben meist 13 mm vorn und 15 mm hinten. Bei Vollachsen mit Muttern entfällt die Stauchung; dort lässt sich das Lager am eingebauten Rad einstellen, wenn eine Achsmutter fest und die andere gelöst ist.

Schwachpunkt billiger Konuslager: Sind die Gewinde ungenau geschnitten, stehen Konus und Schale nicht sauber zueinander. Die Kugeln müssen dann bei jeder Umdrehung durch eine Engstelle, und das Lager verschleißt schnell.

Wartung: Einfach gedichtete Konuslager wollen bei regelmäßigem Gebrauch etwa einmal im Jahr zerlegt, gereinigt und neu gefettet werden. Gut gedichtete Naben halten deutlich länger durch. Naben mit Schmiernippel lassen sich ohne Zerlegen nachfetten.

Achsen und Achsverbiegung

Eine dünne Achse biegt sich zwischen ihren Auflagern. Kritisch wurde das bei Hinterradnaben mit Schraubkranz: Mit jedem zusätzlichen Ritzel wuchs der Abstand zwischen rechtem Lager und Ausfallende, die Achse blieb gleich dünn. Das lange freie Stück verbiegt sich oder bricht, vor allem bei sieben und acht Ritzeln. Dickere Achsen ohne durchgehendes Gewinde halfen schon; gelöst hat das Problem die Kassettennabe, die das rechte Lager nach außen in den Freilaufkörper verlegt.

Schraubkranznabe rechtes Lager innen, hinter dem Zahnkranz freie Achslänge: lang Ausfallende Zahnkranz mit Freilauf Kassettennabe rechtes Lager außen im Freilaufkörper freie Achslänge: kurz Freilaufkörper mit Ritzelpaket
Lage der Lager (blau) an Schraubkranz- und Kassettennabe, schematisch. Gelb das Achsstück, das zwischen rechtem Lager und Ausfallende frei trägt: beim Schraubkranz lang und bruchgefährdet, bei der Kassette kurz.

Vorderradachsen verbiegen bei starren Gabeln praktisch nie, weil Last und Hebel klein sind. Federgabeln, deren Holme unabhängig eintauchen, belasten die Nabe dagegen auf Verdrehung; daher die dicken Achsen und Nabenkörper heutiger Vorderradnaben.

Dichtungen und Reibung

Die Reibung der Lager ist im Fahren winzig: Sie kostet Bruchteile eines Watts, während Kette und Reifen zusammen im zweistelligen Wattbereich liegen. Dreht ein Rad im Montageständer nicht lange nach, liegt das meist an den Dichtungen und sagt wenig über den Lauf unter Last. Was Lager wirklich zerstört, ist eingedrungenes Wasser, etwa aus dem Hochdruckreiniger.

Staubkappe Fett im Spalt Staubkappe mit Fettpackung schmaler Spalt, reibungsfrei, pflegebedürftig Stege ohne Berührung Labyrinthdichtung berührungslos, läuft leicht Abdeckung Gummilippe Lippendichtung dichter, aber mit Reibung äußere Kappe Dichtscheiben Gedichtetes Industrielager Dichtscheiben am Lager selbst
Die vier Dichtungsarten im Halbschnitt, schematisch; außen ist links. Gelb das Dichtelement, blau die Kugel, der rote Pfeil zeigt, wo Schmutz und Wasser ansetzen.

Nabenflansche

Einbaubreite (zwischen den Anlageflächen) Mitte Flanschabstand links Flanschabstand rechts Lochkreis Flanschdicke Freilaufkörper links Antriebsseite
Die Maße einer Hinterradnabe, schematisch. Die Flanschabstände zählen von der Mitte zwischen den Anlageflächen; rechts ist der Abstand wegen der Ritzel kleiner.

Am Flansch hängen die Speichen. Für den Laufradbau zählen vier Maße:

Diese Maße gehen in den Rechner ein. Die Löcher der beiden Flansche sind um eine halbe Teilung gegeneinander versetzt, weil die Speichen an der Felge abwechselnd von links und rechts kommen. Üblich sind 16 bis 36 Löcher, für Reiserad und Tandem bis 48.

Einbaumaße

Die Einbaubreite ist der Abstand zwischen den Flächen, mit denen die Nabe im Rahmen oder in der Gabel anliegt.

Breite und AchseVerwendung
vorn 100 mm, Schnellspanner 9 mmDer klassische Standard für fast alle Räder mit Felgenbremse.
vorn 90 bis 96 mmÄltere Gebrauchs- und Sporträder, Kinderräder, BMX.
vorn 70 bis 74 mmFalträder.
vorn 100 × 12 mmRennrad und Gravel mit Scheibenbremse.
vorn 100 × 15 mm, 110 × 15 mmMountainbike; 110 mm ist das breitere Maß mit weiter außen stehenden Flanschen.
vorn 110 × 20 mmAbfahrtsräder.
hinten 110 mmRücktrittnaben ohne Schaltung.
hinten 114 bis 122 mmNaben mit drei bis fünf Gängen.
hinten 120 mmBahnrad, Eingangräder, alte Rennräder mit fünf Ritzeln.
hinten 126 mmRennräder mit sechs und sieben Ritzeln.
hinten 130 mmRennrad mit Felgenbremse, acht bis zwölf Ritzel; auch Naben mit sieben Gängen.
hinten 135 mmMountainbike, Trekking- und Reiserad mit Schnellspanner; viele Nabenschaltungen mit acht und mehr Gängen.
hinten 142 × 12 mmSteckachse an Rennrad, Gravel und Mountainbike.
hinten 148 × 12 mmDas breitere Mountainbike-Maß mit weiter außen stehenden Flanschen.
hinten 150 und 157 × 12 mmAbfahrts- und Enduroräder.
hinten 135 bis 160 mmTandems; üblich sind 140, 145 und 160 mm.
hinten 170 bis 197 mmFatbikes.

Breitere Naben lassen die Flansche weiter auseinanderstehen und vergrößern damit die Stützwinkel. Das Spannungsverhältnis beider Seiten verbessert sich nur, wenn dabei der Flansch der Antriebsseite stärker nach außen rückt als der andere.

Passung: Einbaubreite der Nabe und lichte Weite des Rahmens sollen bis auf etwa einen Millimeter übereinstimmen. Bei größerer Abweichung einen Stahlrahmen vom Fachmann dauerhaft richten lassen, statt ihn bei jedem Einbau aufzubiegen; sonst ermüden die Ausfallenden. Die englischsprachige Literatur ist hier großzügiger: Einen Stahlrahmen um eine Stufe aufzudrücken, etwa von 126 auf 130 mm, gilt dort bei Konusnaben als unbedenklich; gerichtet wird erst bei größeren Sprüngen. Empfindlich sind in jedem Fall Nabenschaltungen und Naben mit Rillenkugellagern, wenn die Ausfallenden nicht mehr parallel stehen. Rahmen aus Aluminium und Carbon lassen sich nicht richten. Nach einer Änderung der Breite die Kettenlinie prüfen.

Richten und prüfen: Ob ein Rahmen aus Stahl ist, zeigt ein Magnet. Beim Richten wird jede Seite einzeln um die halbe Differenz gesetzt, in kleinen Schritten und mit Messen dazwischen. Die Symmetrie prüft eine Schnur, die von einem Ausfallende um das Steuerrohr zum anderen gespannt wird: Ihr Abstand zum Sitzrohr muss auf beiden Seiten gleich sein. Danach müssen die Ausfallenden wieder parallel gestellt werden.

Nabe verbreitern: Eine Konusnabe lässt sich mit Distanzscheiben zwischen Konus und Kontermutter an einen breiteren Rahmen anpassen. Kommen die Scheiben nur auf die rechte Seite, muss die Felge neu eingemittet werden, und das Rad wird durch die stärkere Schüsselung schwächer; Scheiben auf der linken Seite wirken umgekehrt. Eine Schnellspannachse muss je Seite nur zwei bis drei Millimeter ins Ausfallende ragen; bis etwa fünf Millimeter Zuwachs genügt deshalb meist die alte Achse.

Hinterradnaben nach Antrieb

Freilaufmechanik: Am weitesten verbreitet sind Sperrklinken, die in einen Zahnring fallen. Daneben gibt es zwei gegeneinander gedrückte Zahnscheiben und Klemmkörper, die lautlos und ohne Leerweg greifen. Je feiner die Verzahnung, desto kleiner der Leerweg beim Antreten.

Naben für Bremsen

Bei allen Bremsen in der Nabe läuft das Bremsmoment über die Speichen, und es ist größer als das Antriebsmoment. Solche Räder werden gekreuzt eingespeicht, nicht radial. Dasselbe gilt für die Antriebsseite und für Nabenmotoren. Gabel und Rahmen müssen für die Abstützung der Bremse gebaut sein.

Weitere Bauarten

Werkstoffe

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